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Punktesammeln

Wir sammeln Punkte. Jeden Tag, man hat uns gesagt, das wäre wichtig. Also sammeln wir, wir wissen, dass sie wichtig sind, die Punkte. Ich habe 15, sie auch, er nur 12, andere 5. Punktepunktepunkte. Immer wachsam sein, wo es noch Punkte zum einsammeln gäbe, weitere Tricks um an welche dranzukommen. Mehrundmehrundmehr Punkte. Wir freuen uns, wenn wir viele bekommen, wenn die Anderen uns welche schenken, wenn wir erfolgreich sind im Punktesammeln. Je mehr Punkte, desto bessere Chancen werden wir später haben im Leben. Darum dreht sich unser Alltag: Punkte Sammeln Für Ein Besseres Leben. Wie Spenden sammeln, nur, dass wir uns die Punkte härter verdienen. Wir werden mitleidig angeschaut, wenn wir nicht so viele Punkte bekommen, während alle Anderen viel mehr gesammelt haben. Geschnappt, gefangen, verhaftet, einmal gefangen werden sie nicht mehr losgelassen, nie wieder, dazu sind sie zu wertvoll.

Die Schule ist grausam, sie zwingt uns zu alldem.

21.12.15 19:17, kommentieren

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SchnecksTochter

Ich bin Kirschkern, SchnecksTochter. Gerade las ich seinen letzten Eintrag und bekam Lust, einen eigenen Blog zu starten. Ich bin spontan. Schneck schrieb über unseren letzten Chat auf Skype in dem wir diskutierten, welche Flüchtlinge wir aufnehmen sollten und welche nicht. Betrachtet man diese Konversation etwas distanziert, ist es wirklich ironisch, zugegeben:

Schneck: Sag mal...
Schneck: Was wär dir lieber; zwei dreizehnjährige Aghanen oder 2 17jährige somalische ex-kindersoldaten?

Allein die Frage ist schon interessant.

Kirschkern: hm
Kirschkern: Die Kindersoldaten.

(eigentlich war es mir egal)

Schneck: ok
Kirschkern: Und dir

Kirschkern: dann gibt's die schon an meinem geburtstag?
Schneck: unter umständen ja...
Kirschkern: cool
Schneck: jau...
Schneck: vielleicht bis dahin aber auch wieder ganz andere Jungs...
Kirschkern: schade

Abendliche Diskussionen laufen so ab, bei uns in der Familie. Wir sind freie Geister, die ungestört in so wenigen Worten wie möglich weltbewegende (oder auch nicht) Themen diskutieren. Per Skype, aber trotzdem. Schreiben tun wir viel. Überhaupt tun wir viel. Wir freuen uns auf die Flüchtlinge, die sich demnächst bei uns zu Hause einrichten werden. Während Frau DR. Frankenstein noch nicht ganz begeistert ist und die Polin ebenfalls. Pech gehabt. Ich will meinen Geburtstag mit Flüchtlingen feiern. Basta. Dann können sie meinen Kuchen aufessen, die Torte von der Polin gebacken, oder sie lassen es. Halal essen lernen wir dann auch. Vielleicht auch irgendwann koscher, wenn wir andere Flüchtlinge bekommen. Ich freu mich schon auf das andere Essen. Im Pfarrhaus beim neuesten Familienmitglied. Sie kocht so lecker, dann wird sie mit halal mal etwas auf die Probe gestellt. Ich glaube fest an sie, so wie sie an Gott glaubt. Die Pfarrerin schafft das. 

Überhaupt kann meine Familie als ziemlich schräg betrachtet werden: Eine Kirschkern, die fast nie zu Hause ist, der Schneck, der sich am liebsten im Atelier verkriecht oder mit der Pfarrerin und Frau DR Frankenstein sowie der Polin einen Film, meinen Lieblingsfilm, den Tanz der Vampire, schaut. Frau DR Frankenstein versteht den Inhalt nicht, die Polin schüttellt verstört den Kopf, während die Pfarrerin vor Angst zittert und Schneck und ich, die Kirschkern, uns bis zum Bauchweh lachen. Demnächst werden neben uns auf dem alten Sofa dann auch zwei somalische Kindersoldaten sitzen, das macht den Mix vollständig, ein leckerer Menschenshake, dessen Zutaten sich, trotz nicht allzu geringer Geschmacksunterschiede, gern haben und aneinanderkuscheln. Ich liebe die Familie.

19.12.15 23:09, kommentieren